Die offizielle Sprache in Norwegen ist Norwegisch, eine nordgermanische Sprache, die eng mit dem Dänischen und dem Schwedischen verwandt ist. Der Vorteil dieser sprachlichen Nachbarschaft ist, dass der Norwegisch-Könner gleichzeitig, zumindest ansatzweise, ein Dänisch- und Schwedisch-Könner ist. Die sprachlichen Unterschiede lassen sich vielleicht mit der Sprachfamilie Deutsch, Österreichisch und Schweizer-Deutsch vergleichen. Es gibt durchaus große Ähnlichkeiten, dann aber auch wieder jeweils der Sprache sehr eigene Idiome und Wörter, ganz zu schweigen von der jeweiligen Aussprache. Dennoch, vergleicht man die Schriftbilder, so entdeckt man manchmal erst auf den zweiten Blick, ob es sich nun um einen norwegischen, schwedischen oder dänischen Text handelt.
Die Norweger selber mögen diese Gleichstellung mit ihren Nachbarländern allerdings gar nicht. Genauso wie ein Österreicher viel Wert auf seine heimatlichen Wurzeln legt, so mögen auch die Norweger nicht mit den Dänen oder Schweden in einen Topf geworfen werden und die drei Länder befinden sich sozusagen schon seit Ewigkeiten in einem kulturellen Kleinkrieg mit viel Sticheleien. Als kleines Beispiel dafür könnt ihr unter diesem Link hier sehen, wie die Bully-Parade des norwegischen Fernsehens „Uti vår Hage“- was soviel heißt wie „Draußen in unserem Garten“ - sich über die Dänen und ihre Sprache lustig macht. Sprachkenntnisse sind hierfür leider Voraussetzung.
Uti vår Hage – dansk
In einem Land, in dem zwischen dem eigenen Haus und dem nächsten Nachbar schonmal zwanzig Kilometer und fünf Berge liegen können, war es nicht einfach über die Jahrhunderte hin ein einheitliches Sprachbild zu entwickeln. Deswegen gibt es auch heutzutage noch unzählig viele Dialekte; ein und dasselber Wort kann in über hundert unterschiedlichen Formen in Norwegen existieren. Für den Norwegisch Erlernenden kann das sowohl von Vor- als auch von Nachteil sein: Denn wo einen die vielen Varietäten vielleicht etwas verwirren, da bieten sie einem auch eine gewisse Narrenfreiheit. Die Norweger sind so tolerant gegenüber unterschiedlichen Aussprachen und Wortkreationen, dass es ihnen kaum auffallen wird, wenn man hier und da mal seinen deutschen Akzent durchklingen lässt.
Zu dieser dialektischen Vielfalt dazu, gibt es auch noch drei offizielle Sprachen in Norwegen, nämlich Bokmål („Buchsprache“), Nynorsk („Neu-Norwegisch“) und Samisch. Bokmål und Nynorsk haben offiziell den gleichen Status, wobei Bokmål häufiger in Oslo und den anderen großen Städten benutzt wird. Nynorsk wird nur von ca. 10-15% der Bevölkerung tatsächlich gesprochen, ist aber dennoch auch in Politik, Literatur, Theater und Radio präsent.
Die Existenz dieser beiden Sprachen nebeneinander ist auf die Geschichte des Landes zurückzuführen: Bokmål basiert auf dem Dänischen, das für hunderte von Jahren die offizielle Sprache Norwegens war, bevor es 1814 unabhängig von seinem Nachbarland wurde. Nynorsk entstand dann ungefähr zeitgleich und wurde von dem Linguist Ivar Aasen um 1850 kreiert, wozu er vor allem regionale und dem ursprünglichem Norwegisch noch am nächsten gelegene Dialekte aus dem Westen des Landes zu einer Spracheinheit kombinierte.
Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass sie beiden Sprachen sich dennoch sehr ähneln. Wer des einen kundig ist, wird auch das andere ohne Probleme verstehen können.
Samisch dagegen hat mit den beiden anderen Sprachen überhaupt nichts zu tun und wird nur von einer Minderheit der Bevölkerung gesprochen. Zur Zeit haben ungefähr 20.000 Menschen in Norwegen Samisch als ihre Muttersprache. Es gehört zu den finno-ugrischen Sprachen und seine Wurzeln reichen so weit in die Geschichte des Landes zurück wie das Norwegische, weshalb es in einigen nordnorwegischen Bezirken zu einer mit Norwegisch gleichrangigen, offiziellen Sprache erhoben wurde.
Wer nun aber weder Samisch, noch Bokmål, noch Nynorsk beherrscht und auch keinen der vielen Dialekte nachzuahmen weiß, um Sprachkenntnisse vorzutäuschen, der kann einfach Englisch reden. Die Norweger werden schon von klein auf mit der Sprache vertraut gemacht. Ab der ersten Klasse lernen sie es an den Schulen und schon davor müssen sie sich mit der englischen Sprache herumschlagen, wenn sie ihre Lieblingssendungen verstehen wollen, da das norwegische Fernsehen ein Verfechter des O-tons mit Untertiteln ist. Deswegen ist es egal, ob jung oder alt, in der Regel kann man auf jedermann in Norwegen zugehen und ohne Umschweife auf Englisch loslegen, ohne auf seltsame Blicke oder Unverständnis zu stoßen. Als weitere Fremdsprachen sind vor allem Deutsch und Französisch vertreten.
Norwegisch-Deutsch-Wörterbuch: Heinzelnisse